Zum Glück schaukelt das Schiff nicht allzu stark. Mir jedenfalls macht es jedenfalls trotz der vergangenen Nacht in Puerto Barrios dem größten Puff Mittelamerikas nichts aus und das ist die Hauptsache. Der Kapitän ist ein alter Seebär, der schon die sieben Weltmeere befahren hat. Viel Alkohol und viele falschen Frauen haben dafür gesorgt, dass er nun Touristen in diesem alten Kutter durch die Gegend schippert. Um das herauszufinden brauche ich genau eine halbe Stunde, denn Ernest Hemingway, so sieht er nämlich aus, ist sehr gesprächig. Nach dieser halben Stunde meldet sich allerdings mein Kater zu Wort.
Der Kapitän gibt mir eine Aspirin und rät mir mich auf dem Dach schlafen zu legen. Den Ratschlag eines Mannes, der wahrscheinlich mehr Alkohol in seinem Leben getrunken hat als Harald Juhnke, nehme ich gerne an. Tatsächlich schlafe ich auch direkt ein. Gegen zehn Uhr wird es mir allerdings zu warm und matschig wie ich bin klettere ich wieder herunter. Der Möchtegernreiseleiter klärt gerade alle über den weiteren Verlauf auf. Er ist nicht wirklich der Reiseleiter, denn es gibt keinen, aber wenn einer freiwillig die ganze Organisation übernimmt, dann soll er auch ein bisschen labern dürfen.
Gerade erklärt er, dass wir erst auf einer Nachbarinsel unsere Pässe vorzeigen müssen, bevor wir auf unseren Cayo de Limon dürfen. Alles völlig problemlos sagt er. In einer halben Stunde sei alles erledigt. Alles kein Problem denke ich und mache mich auf die Suche nach meinem Reisepass. Und genau da fängt das Problem auch schon an. Da der Pass nicht in meinen Sachen ist liegt er wahrscheinlich immer noch auf meinem Bett in Guatemala Stadt.
Jetzt ist guter Rat teuer. Darum frage ich direkt meinen neu gewonnenen Freund Hemingway. Wenn sich auf diesem Boot einer mit solchen Sachen auskennt, dann er. Und tatsächlich beruhigt er mich sofort. Er wisse schon wen wir bestechen müssten und dann würde alles glatt laufen. Eigentlich will ich mein weniges Geld aber nicht dafür ausgeben irgendwelche Zollmenschen aus Belize zu bestechen. Verständnisvoll nickt Hemingway mit dem Kopf. Er beschließt ganz knapp an unserer Insel vorbeizufahren, damit ich zur Insel schwimmen kann während die anderen zur Zollinsel fahren. Endlich mal eine sinnvolle Idee.
Während ich mich schwimmfertig mache fallen mir zum ersten Mal unsere Mitreisenden auf. Die meisten sind uninteressant aber die dunkelhaarige Schönheit ist es eindeutig nicht. Während ich sie mir genauer betrachte entfernt sich das Boot immer mehr von unserer Insel. Bevor ich noch weiter schwimmen muss mache ich mich mit dem missglückten Versuch eines Kopfsprungs auf den Weg. Als ich ankomme fühle ich als hätte ich soeben einen Triathlon beendet. Die Strecke war doch weiter als ich gedacht hatte. Aber immerhin befinde ich mich ohne Pass in einem fremden Land.
Meine erste und hoffentlich letzte illegale Einreise habe ich also erfolgreich hinter mich gebracht. Am Strand schlitze ich mir zwar den Fuß an einer Koralle auf aber das ist nichts Schlimmes und als ich mir die Insel genauer betrachte ist eh jeder Schmerz vergessen. Vor lauter Entzücken lasse ich mich mit ausgebreiteten Armen in den Sand fallen.
Im Schatten einer Palme liegend befinde ich die Welt für schön und mich für glücklich. Wenn ich jetzt sterben würde, dann mit einem Lächeln im Gesicht. Sogar der Kater ist vergessen.
Die Insel hat etwa die Größe eines Fußballfeldes und sieht aus, als ob sie aus einer Bacardiwerbung entflohen sei. Weißer Sandstrand umgeben von Korallenriffen, in denen es vor Fischen nur so wimmelt. Auf der Insel befinden sich außer Palmen nur ein paar Zelte, ein kleines Waschhaus und eine Hütte, die dem Geruch nach zu urteilen wohl die Küche ist. Nicht zu vergessen das Plumpsklo, das sich auf einem kleinen Steg befindet. Da freuen sich selbst die Fäkalien. Ich schwimme schließlich auch lieber in der Karibik als in Abwasserrohren.
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