Die letzten Reisegeschichten:
Der größte Puff Mittelamerikas

Eine Woche Cayo de Limon, das haben wir uns aber auch verdient. Cayo de Limon ist eine kleine, noch nicht einmal fußballfeldgroße Insel vor der Küste Belizes. Morgen werden wir mit dem Boot zur Insel übersetzen. Damit wir früh genug loskommen, schließlich soll die Fahrt mit dem Schiff ca. vier Stunden dauern, verbringen wir die Nacht in Puerto Barrios. Zuerst genießen wir das Abendessen in einem Hotel, dass im alten Kolonialstil erbaut wurde. Alles ist ruhig und entspannt. Nichts deutet darauf hin, dass Puerto Barrios laut meinem Reiseführer der größte Puff Mittelamerikas ist. Wohlgemerkt: In Puerto Barrios soll sich nicht der größte Puff Mittelamerikas sein. Puerto Barrios als ganzes soll eben dieser Puff sein.

Das macht auf jeden Fall neugierig. Also ziehen wir zu zweit los. Das Hotel ist etwas außerhalb, deshalb ist es erst noch relativ ruhig. Mit jedem Schritt in Richtung Ortskern wird es aber lauter. Den meisten der Leute die uns entgegenkommen möchte ich nicht im Dunkeln begegnen. Dummerweise ist es dunkel.

Ein alter Mann sitzt vor seiner Hütte und redet mit seiner Tequilaflasche. Ich verstehe nicht, was ihm die Flasche antwortet aber mit der Zeit wird er immer wütender. Irgendwann wird die Flasche wohl zu unverschämt, denn der Mann packt sie und zerschmettert sie an der Hauswand. Natürlich nicht ohne sie vorher geleert zu haben. Denn auch wenn er wütend ist, zu verschwenden hat der Mann anscheinend nichts. Die Flasche war eindeutig nicht sein erstes Opfer. An der Wand liegt ein ordentlicher Scherbenhaufen und auch der Mann selbst sieht mit all seinen Narben aus, als hätte er sich auch schon mehr als einmal selbst an irgendeiner Wand zerschmettert.

Trotzdem ist von Puffatmosphäre noch nichts zu spüren. Besoffene alte Männer findet man auch in Massen in Massen in der Eifel und in Russland, aber Puffatmosphäre herrscht dort bestimmt nicht. Aber noch sind wir ja nicht im Ortskern angelangt. Trotzdem erreicht uns langsam ein bisschen mehr Licht. In diesem wirken die Gestalten auf der Straße auch nicht vertrauensvoller. Eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall. Einen Großteil der Frauen würde ich eindeutig dem horizontalen Gewerbe zuordnen. Ich würde mich mit diesen Frauen noch nicht einmal für Geld, das ich bekommen würde, horizontal betätigen geschweige denn dafür zu bezahlen. Aber ich bin zu ihrem Glück auch nicht repräsentativ für die verkommenen Gestalten die sich hier herumtreiben.

An der nächsten Straßenecke versucht ein Mann eine Nutte zu verprügeln. Wir sind kurzfristig versucht der Frau zu helfen, denn schließlich schlägt man keine Frauen egal wie schäbig sie sind. Als die Frau sich zu wehren beginnt, hätte eher der Mann unsere Hilfe nötig, denn er wird übelst verdroschen und beschimpft. Aber soweit kommt es noch, dass wir Männern helfen, die Frauen verhauen wollten.

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  1. Julio (Reply) on Dienstag 4, 2011

    Coole Story und schön geschrieben. Klingt aber gefährlich.
    Und wie war es dann in Belize?

  2. philtek (Reply) on Dienstag 4, 2011

    Es klingt gefährlicher als es war. Wie gesagt ist immer ein gutes Stück dichterische Freiheit mit dabei. Belize war übrigens toll, aber das folgt in weiteren Geschichten.
    Gruß
    philtek
    P.S. Willkommen bei mir

  3. Julio (Reply) on Dienstag 4, 2011

    OK :-D
    Freu mich auf die Fortsetzung

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