Die letzten Reisegeschichten:
I survived Downtown Miami

Heute geht es in den Zirkus. Was macht man nicht alles, um Frauen zu beeindrucken. Ich habe die Eintrittskarten schon von Deutschland aus übers Internet reserviert. Daher müssen wir jetzt nur noch ganz gemütlich zur Miami Arena fahren und los geht’s. Wie nicht anders zu erwarten liegt der Zirkus aber am anderen Ende der Stadt. Das andere Ende der Stadt ist in Miami außerdem ziemlich weit entfernt, da die Stadt ja riesengroß ist. Es wohnen gar nicht so viele Menschen da, aber die Fläche ist einfach riesig.

Das tollste aber an Miami ist, dass es nahezu keine „normalen“ amerikanischen Menschen dort gibt. Wie überall in Florida besteht die Bevölkerung aus einer bunten Mischung aus Rentnern, Touristen, Latinos, Reichen, Ausgeflippten und Schwulen. Das Ganze wird garniert mit einer enorm großen Anzahl von gescheiterten Existenzen und einer enorm kleinen Zahl amerikanischer Durchschnittsbürger.

Ich habe hier Obdachlose gesehen, die mit einem Schild rumliefen auf dem WWW.NEEDBEER.COM stand. Eigentlich ist das ja das Gleiche, was die meisten Obdachlosen in Deutschland wollen, aber es ist origineller.

Nicht umsonst hat sich Christoph Daum nach seiner Drogenaffäre hierhin geflüchtet. In dieser bunten Mischung fällt ein koksender Fastbundestrainer ebenso wenig auf, wie ein sich scheiden lassender Boris Becker. Keinem von beiden bin ich übrigens begegnet. Schade eigentlich, ich hätte beiden meine Unterstützung und meine Sympathie ausgesprochen.

Zurück zum Zirkus. Der ist wie schon gesagt am anderen Ende der Stadt. Zum Glück aber gibt es eine Buslinie, die von einem Einkaufszentrum in der Nähe bis direkt zur Miami Arena fährt. Das jedenfalls haben wir aus dem Plan der Busgesellschaft gedeutet. Was wir sicher verstanden haben, ist dass der Bus um 14.00 Uhr losfahren soll. Jetzt suchen wir schon seit 13.40 Uhr nach dem Abfahrtsort und der Zeiger der Uhr nähert sich bedenklich der vollen Stunde. Wenn wir den blöden Bus verpassen, dann müssen wir eine ganze Stunde warten und das wäre sehr albern.

im-bus-unterwegs Da steht ja ein Bus. Ein sehr hektischer Busfahrer steht rauchend vor dem Bus und betritt diesen nur, um von den neuen Passagieren zu kassieren. Anders als in Deutschland muss man nämlich beim Fahrer bezahlen oder einen gültigen Fahrausweis vorzeigen, sonst wird man gar nicht erst mitgenommen. Das Ganze kostet genau einen Dollar, den man am besten auch klein hat, denn gewechselt wird nicht. Während wir mit Erschrecken feststellen, dass wir nur Zwanziger dabei haben wird der Busfahrer auf uns aufmerksam. „Dann fahrt halt umsonst mit!“ meint er und weil wir eh keine Zeit mehr hätten Geld zu wechseln, fragen wir gar nicht erst, warum er das sagt. Wir setzen uns also in den Bus und ab geht die Post.

Der Fahrer scheint entweder gut gelaunt oder dicht zu sein. Er singt und pfeift die ganze Zeit. Wenn man genau aufpasst, merkt man, dass er sogar im Takt fährt. Sobald wir an einer Ampel oder im Stau stehen steigt er dann aus um sich eine Zigarette anzuzünden. Weil die Stopps aber nie länger als 30 Sekunden dauern nimmt er jedes Mal nur ein paar Züge und schmeißt die angefangene Zigarette dann weg. Wirklich ökonomisch ist das nicht was er da macht, aber es ist ja schließlich sein Geld. Eigentlich stört es mich ja nicht, was der Busfahrer da treibt, aber als er bei einer Zigarettenpause einen Passanten nach dem Weg fragt werde ich schon ein bisschen stutzig. Der Passant kann nicht weiterhelfen, also fragt er uns. Mich natürlich nicht, denn auf meiner Stirn steht sozusagen „Tourist“ und da werde ich wohl kaum eine große Hilfe sein. Irgendjemand aus dem Bus kann ihm dann zum Glück die Route oder besser gesagt eine Abkürzung erklären. Weil nämlich Stau ist hat unser lustiger Fahrer beschlossen eine Abkürzung zu nehmen.

Aber zuerst noch einmal eine Zigarettenpause. Da ich Zeit habe und eh bis zur Endstation muss ist mir der ganze Trubel ziemlich egal, denn die Endhaltestelle wird er wohl kaum umfahren. Tut er auch nicht, sondern liefert uns wohlbehalten und pünktlich dort ab. Nachdem wir den Bus verlassen haben stellt sich mir die Frage ob wir noch langen wohlbehalten sein werden, denn die Gegend sieht nicht sehr einladend aus. Eigentlich sieht sie sogar ziemlich gefährlich aus. Dummerweise bin ich der Mann und muss daher Stärke demonstrieren. Wir gehen also forschen Schrittes bis zur Miami Arena und werden dabei erstaunlicherweise von keiner der zwielichtigen Gestalten belästigt. Irgendwie sehen hier alle so aus, als würden sie Ihre Hände über Feuern in Eisentonnen wärmen. Da es in Miami aber warm ist, ist dieses Klischee hier natürlich fehl am Platze.

Foto1: © Thomas Stallkamp / PIXELIO

Foto2: © Jürgen Schöpe / PIXELIO

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  1. Gwen Sweet (Reply) on Dienstag 12, 2011

    Ja, so eine Zirkusekstase ist echt kaum zu toppen ;-) Aber sag mal Bescheid, ob das Kostüm geholfen hat…Liebe Grüße aus der Heimat

    “Zirkusreife Vorstellungen erzeugen nicht immer Jubel in der Manege des Lebens.”
    (Martin Gerhard Reisenberg)

  2. philtek (Reply) on Dienstag 12, 2011

    Hallo Gwen,
    willkommen auch hier. In der Heimat bin ich leider auch. Die geschichte ist schon einige Jahre alt.
    Gruß
    philtek
    P.S. Kostüm hat leider nicht geholfen :-D

  3. Lana (Reply) on Dienstag 12, 2011

    Ich habe gerade deinen Blog entdeckt und wollt einfach nur hier reinschreiben, wie toll ich ihn finde! Ich hänge bestimmt schon den halben Tag vor dem Rechner und lese und lese und lese, obwohl draussen die Sonne scheint! Das soll ein Komliment sein…
    Geiler Busfahrer.

    • philtek (Reply) on Dienstag 12, 2011

      Vielen Dank und willkommen bei mir. Schön, dass Dir mein Blog gefällt. AUch wenn er eigentlich mehr zum Reisen als zum in der Bude hocken anregen sollte ;-)
      Gruß
      philtek
      P.S. Ja, der Busfahrer war der Hammer